kleine (Foto-)Episoden

Im Laufe der Zeit erlebt man beim Knipsen kleine erheiternde oder auch weniger erheiternde Dinge, manchmal ist auch etwas Schadenfreude dabei ...


Alles Rotze oder `was?


Vor der imposanten Tempelanlage Borobudur (Indonesien, bei Yogyakarta/InselJava) haben einige Leute ihre Marktstände aufgebaut – an den laufend herbeigeschafften Touristen wollen auch sie (zu Recht) ihren Teil verdienen.
Ich streife kreuz und quer durch die Stände, lasse Geräusche und Gerüche auf mich wirken.
Kleine Buddhas, Kokosnussmilch, Ananas, Ansichtskarten, Batikhemden, Getränke, Souvenirs … alles ist erhältlich.
Mittendrin ein kleiner Junge, tief in sein Spiel vertieft – mit Souvenir 1 auf Souvenir 2 hämmern, ab und zu einen Blick auf die ollen Touris werfend ...
Wie immer ist die Kamera mehr oder weniger schussbereit: ich kann nicht anders,ich muss diesen Jungen knipsen! Von seiner Nase trieft’s soooo schön …
Postwendend kommt schreiend seine Mutter (oder ist’s die grosse Schwester?)hinter ihrem Stand hervor, deutet auf den Jungen, auf meine Kamera!
Habe ich was Falsches gemacht (meistens frage ich ja, bevor ich Leute knipse) 
Habe ich irgendwelche Gefühle verletzt (es gibt Religionen, wo das Fotografiertwerden bedeutet, dass die Seele aus dem Körper genommen wird) 
Rundum Einheimische, die mich anstarren
... nun hab' ich doch ’n Bisschen Bammel …
Die Mutter reisst ihren Jungen vom Boden weg, nimmt ihn auf die Arme, putzt die Rotze weg, richtet sein T-Shirt und strahlt mich an: Silakan gambar, sekarang …bitte jetzt fotografieren!

Rundum strahlende Gesichter!
Ich mache noch ein Bild, obwohl mir das erste eigentlich das „wichtige“ war …



Ein Objektiv wird eingeschmolzen



Anno 1983 – also noch zur analogen Zeit – führte ich eine Gruppe junger Leute zwischen 20 und 80 Jahren auf der Insel Java (Indonesien) auf den Penanjakan, einem schwach aktiven Vulkan mit einem tollen Blick auf den aktiven Vulkan Gunung Bromo. (Damals nur zu Fuss oder per Pferd zu erreichen, heute führen Strassen hoch.)

Um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen starteten wir am späten Vorabend.
Wir lassen die letzten Baumbestände hinter uns und erreichen nach steilem Aufstieg den Kraterrand und nach kurzem Abstieg das Sandmeer, eine wüstenähnliche Ebene im Innern des Kraters. 
Absolute Ruhe, über uns der südlich Sternenhimmel in einer Klarheit, wie ich sie vor- und nachher nie mehr erlebt habe. 
Gegen 5 Uhr stehen wir auf dem inneren Kraterrand des Gunung Penanjakan. Unter uns rot-orange brodelnde Lava, das Fauchen der entweichenden Gase, Schwefelgeruch! Hier oben kalt, Rauhreif - trotz der Äquatornähe haben alle Handschuhe und Mützen übergezogen. 
Endlich wird der östliche Horizont heller, der Sonnenaufgang kündigt sich mit einem gewaltigen Farbenspiel an. Film o.k., richtiges Objektiv drauf, Handschuhe weg, knipsen! 

Plötzlich ein Schrei neben mir: Verd…!!! Ich schaue rüber und sehe, wie ein Objektiv lustig hüpfend dem Gesetzt der Schwerkraft folgend in Richtung Schlot entschwindet ...

Das gute Stück rutschte einem Reisekollegen beim Objektivwechsel aus den kaltenHänden. Es wurde bei etwa 1000°C eingeschmolzen, der Tag war für ihn vorbei. Die weitere Wanderung durch das Vulkangebiet konnte er nicht mehr geniessen.


Doof bleibt doof



Der Zug hat Datong verlassen, ich hänge am Fenster und sauge die vorbeiziehende Landschaft in mich auf …

Vor ein paar Tagen starteten wir in Peking Richtung Innere Mongolei. Schon der Name Innere Mongolei (
Nèi Měnggǔ) erzeugt bei mir seit ich einen Atlas in die Hände nehmen und lesen kann ein Kribbeln – Fernweh lässt grüssen. 


China öffnete sich damals langsam dem Tourismus, jede Stadt entlang der Strecke wurde besichtigt. Noch drei Wochen liegen vor uns.

Karge Felder, Dörfer, Steppen ziehen am Fenster vorbei. Ab und zu stehen Leutein der Nähe der Geleise, richten sich auf, winken …
Wenn der Zug eine Kurve fährt, kann man einen Blick auf die riesige Dampflok weit vorne erhaschen …

Irgendwo kurzer Aufenthalt in einem Provinzbahnhof. Aussteigen, Beine vertreten.
Es gibt Nachschub für den Speisewagen: eine Wagenladung Kohlköpfe wird durch das Fenster in die Küche gereicht; einige fallen dabei unter den Wagen auf die Geleise, direkt unter die Toilette die gerade kräftig gespült wird.

Ich wechsle das Objektiv; auf einem Bahnhof gibt’s immer so viele interessante Motive und neuerdings darf man hier auf Bahnhöfen knipsen. Noch bevor ich das abgeschraubte Objektiv richtig in der Tasche verstaut habe gibt’s einen dumpfen Knall, das Gewicht am Umhängeriemen in meinem Nacken ist plötzlich deutlich geringer. Ich Depp habe das Objektiv nicht richtig verriegelt! Nun liegt es vormir am Boden, mitten im Staub.
Ich hebe es auf. Die Sonnenblende hat sich verabschiedet, das Filtergewinde sieht auch nicht mehr so aus wie ein Filtergewinde aussehen sollte. Ich puste es kräftig ab und setze es ein, probiere es aus … der Schärfe-Einstellring lässt sich knirschend drehen, der Zoombereich ist bei etwa 150mm blockiert! Wenigstens wurde das Glas nicht beschädigt! Ich könnte mich … und das zu Beginn eines Reiseabschittes, der in dieser Form sicher nicht wiederholt werden kann …
Fortan knipse ich ohne Tele-Zoom, das 35-70er muss genügen.

Abends im Hotel gibt’s grosse Demontage (zum Glück übernachten wir nicht im fahrenden Zug). Ich schraube das gute Ding Schritt für Schritt auseinander – Uhrmacherschraubendreher, Zange, Reinigungspinsel und ein ölgetränkter Lappen befanden sich auf solchen Reisen immer in meinem Fotokoffer – als Unterlage für die demontierten Teile dient Klopapier. Schon bald wird der Fehler sichtbar: Der Nocken, der in die Steuerkurve des Schiebegliedes eingreifen sollte, ist verschoben und befindet sich nicht mehr in der vorgesehenen Bahn. Mit etwas Murksen bringe ich ihn wieder in die richtige Stellung, reinige das ganze Zeugs noch gründlich und setze es wieder zusammen. Mechanisch scheint es zu funktionieren, die Kontrolle durch den Sucher bringt auch nicht Negatives. Grosses Aufatmen, die Reise ist gerettet.

Bis zum Ende meiner analogen Knipserei hat mich das Objektiv begleitet, es tat seinen Dienst noch 20 Jahre. Nur ein kleiner Widerstand im Bereich von 150mm erinnert mich daran, dass ich bei jedem Objektivwechsel mit einem Gegengriff den festen Sitz kontrollieren sollte!

Eine solche „Reparatur“ wäre mit den heutigen Objektiven – vollgepackt mit Mikromechanik und Elektronik – an einem solchen Ort mit diesen Werkzeugen wohl nicht mehr möglich. 



Auf einer einmaligen Fototour 



Nacht vom 19. auf den 20. Juni 2008, Flughafen Zürich–Kloten.

 

Ich stehe am Rand der Piste 16-34! Der letzte Start einer Maschine ist kaum vorüber, schon wälzt sich eine Armada von Baumaschinen heran, eine grösser als die andere …
Wahnsinn, diese zum Teil extra für diese Arbeit konstruierten Maschinen und Lastwagen, da schrumpft Buelipix zu einer Ameise.
Die Kamera ist in Warteposition!
Schallschutzwände werden aufgebaut … Kamera hoch … Auslöser drücken … nichts tut sich!
Kamera aus- und wieder einschalten … nix!
Kontrolle: der Objektivdeckel ist doch nicht mehr drauf?
Speicherkarte ist drin, Akku sollte geladen sein, trotzdem schnell wechseln …nix!
Schei…!!!
Nochmals versuchen … uns siehe da, es funktioniert!
Die Schallschutzwände sind aufgebaut, die überdimensionalen Meissel undSchaufelbagger fahren direkt vor mich … weiterknipsen … nix tut sich!

Leider blieb das die ganze Nacht so! Ich musste auf die kleine Zweitkamera ausweichen, das eine oder andere Bild ist trotzdem was geworden. Zum Glück hatte ich mir kurz zuvor diese zugelegt … und sie auch mitgenommen …

Die Bilder, die in dieser Nacht entstanden sind, sind unter
Pistensanierung Flughafen ZRH zu sehen …

Was diese Leute dort für eine Leistung vollbracht haben, beeindruckt mich bis heute. Zwischen diesen Ungetümen, nachts bei Lärm - Wind - Wetter, der ständige Zeitdruck ... enorm!

Die Kamera war zu diesem Zeitpunkt übrigens genau 12Monate und 2 Wochen alt, Garantieansprüche wurden abgelehnt, die Kamera sei vor über 12 Monaten gekauft worden. Nach einigem Hin- und Her erhielt ich 50% Preisnachlassauf der Reparatur …